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Schaufensterkrankheit: wenn die Beine beim Gehen schmerzen

Älterer Mann bleibt beim Spaziergang vor einem Schaufenster stehen und fasst sich an die schmerzende Wade

Wer nach ein paar hundert Metern stehen bleiben muss, weil die Wade oder der Oberschenkel schmerzt, kennt vielleicht die Schaufensterkrankheit – medizinisch die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK. Der Name kommt daher, dass Betroffene wie beiläufig vor einem Schaufenster anhalten, um den Schmerz abklingen zu lassen. Typisch ist genau das: Der Schmerz kommt beim Gehen und lässt im Stehen nach. Das unterscheidet die arterielle pAVK deutlich von Krampfadern – und diese Verwechslung lösen viele Venen-Ratgeber nicht auf. Hier liest du, woran du die ersten Anzeichen erkennst und wann es ernst wird.

Was ist die Schaufensterkrankheit?

Die Arterien transportieren sauerstoffreiches Blut vom Herzen in die Beine. Lagern sich über die Jahre Ablagerungen an den Gefäßwänden ab (Arteriosklerose), verengen sich die Arterien. Solange du ruhig stehst, reicht das durchfließende Blut meist noch aus. Sobald die Beinmuskeln beim Gehen aber mehr Sauerstoff verlangen, kommt zu wenig davon an – der Muskel „meldet" das mit einem krampfartigen Schmerz. Bleibst du stehen, sinkt der Bedarf, und der Schmerz verschwindet nach kurzer Zeit von selbst.

Wichtig ist der Unterschied zur Venenwelt: Bei Krampfadern geht es um den gestörten Rückfluss des Blutes zum Herzen. Bei der pAVK ist die Zufuhr über die Arterien das Problem. Beides spielt sich in den Beinen ab, fühlt sich aber unterschiedlich an – und wird trotzdem oft verwechselt. Die pAVK ist zudem ein Warnsignal für die Gefäße insgesamt, weil dieselben Ablagerungen auch Herz und Hirn betreffen können.

Erste Anzeichen: Schmerz beim Gehen

Das Leitsymptom trägt einen sperrigen Namen: Claudicatio intermittens, das „zeitweise Hinken". Gemeint ist ein ziehender, krampfartiger oder brennender Schmerz, der nach einer bestimmten Gehstrecke einsetzt und dich zum Anhalten zwingt. Auffällig ist, wie reproduzierbar das oft ist: Immer wieder etwa nach derselben Distanz meldet sich der Muskel. Nach ein bis wenigen Minuten Stehen ist der Spuk vorbei, und du kannst weiterlaufen – bis zur nächsten Pause.

Neben dem Schmerz gibt es stille Begleitzeichen, die leicht übersehen werden: auffällig kalte oder blasse Füße, ein schwacher oder nicht tastbarer Puls am Fußrücken, kleine Wunden, die nur zäh heilen, weniger Behaarung am Unterschenkel oder brüchige Nägel. Solche Beschwerden können viele Ursachen haben. Wer nächtliche oder belastungsunabhängige Beinunruhe kennt, findet in unserem Beitrag zu unruhigen Beinen zwischen Venen und Nerven eine Abgrenzung – die pAVK ist davon klar zu trennen.

Wo genau schmerzt es?

Der Schmerz sitzt fast immer unterhalb der Engstelle, also in dem Muskel, der von der verengten Arterie versorgt wird. Am häufigsten trifft es die Wade, weil die Verengung oft in der Oberschenkelarterie liegt. Sitzt sie höher – im Becken –, können Oberschenkel und Gesäß schmerzen. Liegt die Engstelle sehr tief, macht sich der Schmerz eher im Fuß bemerkbar. Diese Zuordnung hilft Fachleuten, die Höhe des Problems grob einzuschätzen.

Genau hier liegt eine häufige Verwechslung mit Muskelkater oder einem harmlosen Ziehen nach dem Sport. Wenn ein Wadenschmerz aber nicht zur Belastung passt, einseitig bleibt oder von Schwellung begleitet wird, lohnt der Blick auf andere Ursachen – dazu haben wir die Unterschiede in Thrombose oder Muskelkater bei Wadenschmerzen zusammengetragen.

pAVK oder Krampfadern? Der entscheidende Unterschied

Die zentrale Frage im Alltag lautet: Sind es die Arterien oder die Venen? Ein einziges Merkmal bringt oft Klarheit – der Zeitpunkt des Schmerzes. Arterieller Schmerz kommt bei Belastung und bessert sich in Ruhe. Venöser Schmerz und das typische Schweregefühl kommen im Stehen und Sitzen und bessern sich durch Bewegung und Hochlagern. Wie sich abendliche Schwere venös anfühlt, beschreiben wir im Beitrag Schwere Beine am Abend – was wirklich hilft.

MerkmalArteriell (pAVK)Venös (Krampfadern)
Wann schmerzt es?beim Gehen, unter Belastungbeim langen Stehen oder Sitzen
Was bessert?Stehenbleiben, kurze PauseBewegung und Beine hochlegen
Füße und Hauteher kalt, blass, schwacher Pulseher warm, sichtbare Venen, Schwellung
Typische StelleWade, Oberschenkel, GesäßUnterschenkel, rund um den Knöchel
Gestörter BlutflussZufuhr durch die ArterienRückfluss durch die Venen
Einordnung

Die Tabelle bildet den Regelfall ab, nicht jeden Einzelfall. Arterielle und venöse Probleme können gemeinsam auftreten, und nicht jedes Zeichen ist immer vorhanden. Sie ersetzt keine Untersuchung, sondern hilft nur, das Gespräch in der Praxis vorzubereiten. Sicherheit gibt erst die ärztliche Abklärung.

Ruheschmerz: das ernste Warnzeichen

Solange der Schmerz nur beim Gehen auftritt, spricht man vom „Schaufenster-Stadium". Alarmierend wird es, wenn der Schmerz auch in Ruhe bleibt – besonders nachts im Liegen, wenn das Bein nicht mehr von der Schwerkraft unterstützt wird. Viele Betroffene lassen dann das Bein aus dem Bett hängen, weil das kurz Erleichterung bringt. Kommen schlecht heilende Wunden oder abgestorbene Hautstellen an Zehen oder Ferse hinzu, ist die Durchblutung kritisch vermindert.

Fachleute teilen die pAVK nach Fontaine in vier Stadien ein: von beschwerdefrei (I) über Gehschmerz (II) bis zu Ruheschmerz (III) und offenen Stellen (IV). Ruheschmerz und Wunden gehören zeitnah in ärztliche Hände, weil hier die Durchblutung des Fußes gefährdet ist.

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Knöchel-Arm-Index (ABI): Werte darunter deuten auf eine pAVK hin
4 Stadien
Die Fontaine-Einteilung reicht von I (beschwerdefrei) bis IV (offene Stellen)
Gehtraining
Gilt im Schaufenster-Stadium als Basismaßnahme der Behandlung
Plötzlicher Gefäßverschluss – Notruf 112

Ein plötzlich heftig schmerzendes, kaltes und blasses Bein ohne tastbaren Puls kann ein akuter Arterienverschluss sein und braucht sofort Hilfe. Ebenso zählt ein plötzlich geschwollenes, warmes, gerötetes Bein – meist einseitig – als möglicher Hinweis auf eine Thrombose; kommen Atemnot oder Brustschmerz hinzu, kann eine Lungenembolie dahinterstecken. In beiden Fällen sofort den Notruf 112 wählen. Pulsader ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.

Gehtraining und was noch hilft

So paradox es klingt: Bei der Schaufensterkrankheit gehört ausgerechnet das Gehen zur wichtigsten Basismaßnahme. Ein strukturiertes Gehtraining – regelmäßig gehen, bis der Schmerz mäßig spürbar wird, kurz pausieren, dann weiter – kann die schmerzfreie Gehstrecke im Verlauf verbessern. Systematische Übersichtsarbeiten deuten darauf hin, dass beaufsichtigtes Gehtraining die Gehleistung deutlicher steigert als bloßer Rat zur Bewegung. Der Körper baut dabei kleine Umgehungswege um die Engstelle aus.

Mindestens ebenso wichtig ist, die Ursachen der Arteriosklerose anzugehen: Der Rauchstopp gilt als wirksamster einzelner Schritt, dazu die ärztliche Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten sowie Bewegung im Alltag. Eine gefäßfreundliche Ernährung kann diesen Kurs unterstützen – welche Bausteine dabei eine Rolle spielen, liest du in Diese Nährstoffe mögen deine Gefäße. Ob zusätzlich Medikamente sinnvoll sind, entscheidet die ärztliche Behandlung individuell.

Ist die pAVK heilbar? Und wer behandelt sie?

Ehrlich gesagt: Die Arterienverkalkung selbst lässt sich nicht rückgängig machen, eine „Heilung" im Wortsinn gibt es nicht. Sehr wohl aber lässt sich der Verlauf günstig beeinflussen – durch Training, Risikofaktoren und ärztliche Behandlung. Viele Menschen im Schaufenster-Stadium gewinnen so an Gehstrecke und Lebensqualität. Reichen konservative Maßnahmen nicht aus oder ist die Durchblutung kritisch, kommen Eingriffe infrage: eine Aufdehnung der Engstelle mit Ballon und Stent oder ein Bypass, der das verengte Stück überbrückt.

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Dort lässt sich mit dem Knöchel-Arm-Index (ein Blutdruckvergleich zwischen Arm und Knöchel) rasch abschätzen, ob eine pAVK wahrscheinlich ist. Für die genauere Abklärung sind die Angiologie (Gefäßmedizin) und die Gefäßchirurgie zuständig; zur Bildgebung gehört häufig eine Ultraschalluntersuchung der Gefäße. Wie so eine Untersuchung per Duplexsonographie abläuft, beschreiben wir Schritt für Schritt in einem eigenen Beitrag.

Häufige Fragen

Was sind die ersten Anzeichen der Schaufensterkrankheit?

Das erste und typischste Anzeichen ist ein krampfartiger, ziehender Schmerz in der Wade, im Oberschenkel oder im Gesäß, der beim Gehen auftritt und im Stehen innerhalb weniger Minuten wieder nachlässt. Oft ist die Gehstrecke bis zum Schmerz erstaunlich gleichbleibend. Dazu können kalte, blasse Füße, ein schwacher Puls am Fuß, schlecht heilende kleine Wunden oder brüchige Nägel kommen. Weil der Schmerz im Stehen verschwindet, wird er anfangs leicht als harmlose Überlastung abgetan – ärztlich abklären lohnt sich.

Wie unterscheidet sich die pAVK von Krampfadern?

Der Zeitpunkt des Schmerzes ist der Schlüssel. Bei der arteriellen pAVK schmerzt es beim Gehen und bessert sich im Stehen, weil der Muskel unter Belastung zu wenig Blut bekommt. Bei venösen Krampfadern ist es umgekehrt: Schwere und Schmerz nehmen beim langen Stehen oder Sitzen zu und bessern sich durch Bewegung und Hochlagern. Arterielle Füße sind eher kalt und blass mit schwachem Puls, venöse Beine eher warm mit sichtbaren Venen und Schwellung. Bei der pAVK ist die Blutzufuhr gestört, bei Krampfadern der Rückfluss.

Wo genau schmerzt die Schaufensterkrankheit?

Der Schmerz sitzt in dem Muskel, der unterhalb der verengten Arterie liegt. Am häufigsten trifft es die Wade, weil die Engstelle oft in der Oberschenkelarterie liegt. Sitzt die Verengung höher im Becken, können Oberschenkel und Gesäß schmerzen. Liegt sie tief, macht sich der Schmerz eher im Fuß bemerkbar. Charakteristisch ist, dass der Schmerz belastungsabhängig ist: Er kommt beim Gehen und lässt in Ruhe nach.

Ist die Schaufensterkrankheit heilbar?

Die zugrunde liegende Arterienverkalkung lässt sich nicht rückgängig machen, aber ihr Verlauf kann günstig beeinflusst werden. Ein strukturiertes Gehtraining, das Meiden von Risikofaktoren wie Rauchen sowie die ärztliche Behandlung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten können die schmerzfreie Gehstrecke verbessern und das Fortschreiten bremsen. In fortgeschrittenen Stadien kommen Eingriffe wie eine Aufdehnung mit Stent oder ein Bypass infrage. Von Heilung spricht man nicht, wohl aber davon, Beschwerden zu lindern und die Erkrankung aufzuhalten.

Welcher Arzt behandelt die pAVK?

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, die mit dem Knöchel-Arm-Index eine erste Einschätzung geben kann. Für die weitere Abklärung und Behandlung sind Angiologinnen und Angiologen (Gefäßmedizin) sowie die Gefäßchirurgie zuständig; bei Eingriffen an den Gefäßen ist oft auch die interventionelle Radiologie beteiligt. Bei plötzlichem, heftigem Beinschmerz mit kaltem, blassem Bein gilt: nicht abwarten, sondern sofort den Notruf 112 wählen.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA). S3-Leitlinie: Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Diagnostik, Therapie und Nachsorge (Registernr. 065-003). register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-003
  2. Lane R, Harwood A, Watson L, Leng GC. Exercise for intermittent claudication. Cochrane Database of Systematic Reviews 2017. doi:10.1002/14651858.CD000990.pub4
  3. Mazzolai L, Teixido-Tura G, Lanzi S, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of peripheral arterial and aortic diseases. European Heart Journal 2024. doi:10.1093/eurheartj/ehae179